Jan Josef Liefers
Samstag, 03. Oktober 2026 18:00 Uhr Gewehrsaal Eintritt 30 €
Lesung Rummelplatz
Jan Josef Liefers
liest Werner Bräunig.
Rummelplatz heißt ein zwischen 1959 und 1966 entstandener, erst postum veröffentlichter Roman von Werner Bräunig. Beschrieben werden die Aufbaujahre der DDR zwischen Herbst 1949 und Sommer 1953. Hauptschauplatz ist ein fiktives erzgebirgisches Dorf, in dem ein Bergbaubetrieb der Wismut Uran für die sowjetische Atomindustrie fördert. Die Wismut galt als „Staat im Staate“ und als Schmelztiegel der Nachkriegskonflikte. 1950 arbeiteten hier rund 200.000 Menschen. Guter Verdienst lockte Kriegsheimkehrer, Idealisten und Entwurzelte an. In Bräunigs Text wird die Wismut zur Metapher für die Situation der neugegründeten DDR: für den großen Aufbauwillen ebenso wie für sich abzeichnende Fehlentwicklungen. Der Roman endet mit dem Volksaufstand des 17. Juni.
Werner Bräunig, geb. 1934 in Chemnitz, gestorben am 14. August 1976 in Halle an der Saale - ist einer der Protagonisten des „Bitterfelder Wegs“. Seine eigenen Erfahrungen als Bergmann bilden den stofflichen Hintergrund seines Wismut-Romans. Im Kontext des 11. SED-Plenums 1965 geriet Rummelplatz in die Kritik der DDR-Staats- und Parteiführung. Eine Veröffentlichung war ausgeschlossen. Erst 2007 erschien das Buch im Aufbau-Verlag Berlin und war im selben Jahr für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert.
Jan Josef Liefers, geb. 1964 in Dresden, ist Musiker, Regisseur, Produzent und einer der bekanntesten deutschen Theater und Filmschauspieler.
"... die Menschen hier hungern nach Helligkeit stärker und verzweifelter als anderswo. Im Gebirge sind sie fremd, unter Tage sind sie allein, allein mit sich und dem Berg, allein mit ihren Hoffnungen, ihren Zweifeln, ihrer Gleichgültigkeit, allein mit der Dunkelheit und der Gefahr. Die Dunkelheit ist um sie und in ihnen, und ist auch kein bestirnter Himmel über ihnen, da ist nur der Berg mit seiner tödlichen Last und seiner Stille. Als Glücksritter sind sie aufgebrochen, als Gestrandete, Gezeichnete, Verzweifelte, als Hungrige. Sie sind über das Gebirge hergefallen wie die Heuschrecken. Jetzt zermürbt sie das Gebirge mit seinen langen Wintern, seiner Eintönigkeit, seiner Nacktheit und Härte. Wenn nichts sie mehr erschüttern kann, nach allem, was hinter ihnen liegt, das Licht erschüttert sie. Wenn sie nichts mehr ernst nehmen, das GLÜCK AUF nehmen sie ernst." (Werner Bräunig)
Text eingerichtet von Peter Krause, geb. 1964, war Anfang der 1980er Jahre Lehrling und Hauer bei der SDAG Wismut.
Ein Produktion von Schloss Ettersburg.
Mit freundlicher Genehmigung des Aufbau Verlags Berlin.
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