Helmuth Kiesel
Do, 25.06.2026
Ettersburger Gespräch Schreiben in finsteren Zeiten
Helmuth Kiesel
im Gespräch mit Reinhard Laube
über die deutschsprachige Literatur 1933 bis 1945
Die Herrschaft der Nationalsozialisten bedeutete für die deutschsprachige Literatur eine beispiellose Herausforderung. Zweieinhalbtausend Autoren, darunter die besten, mussten Deutschland verlassen. Wer blieb und sich nicht auf die Seite des NS-Regimes stellte, war von Verfolgung bedroht. Helmuth Kiesel hat die erste Gesamtdarstellung der Epoche aus einer Hand geschrieben. Im Exil wie in Deutschland verlangte die schriftstellerische Auseinandersetzung mit der Gegenwart besondere existentielle Kraft, politische Klarheit und literarisches Darstellungsvermögen. Helmuth Kiesel widmet sich in seinem neuesten Buch (C.H.Beck) und im ETTERSBURGER GESPRÄCH der Literatur des Exils und der inneren Emigration, aber auch regimenahen Autoren, ebenso der österreichischen und schweizerdeutschen Literatur. Dabei stellt er die berühmten Werke der Epoche vor, von Anna Seghers’ "Das siebte Kreuz" bis Thomas Manns "Doktor Faustus", von Ernst Jüngers "Marmorklippen" bis Hermann Hesses "Glasperlenspiel" – und daneben zahlreiche vergessene Werke, die literarisch bemerkenswert und historisch aufschlussreich sind. Viele Autoren sahen ihre Hauptaufgabe darin, die "finsteren Zeiten" (Brecht), die sie erlebten, geschichtlich zu ergründen und mit den Mitteln der Literatur zu bezeugen.
Helmuth Kiesel ist Professor em. für Neuere deutsche Literaturgeschichte an der Universität Heidelberg. Er veröffentlichte u.a. "Geschichte der literarischen Moderne. Sprache, Ästhetik, Dichtung im 20. Jahrhundert" (2004), "Ernst Jünger. Die Biografie (2007) und eine "Geschichte der deutschsprachigen Literatur 1918 – 1933" (2017).
Dr. Reinhard Laube ist Direktor der Herzogin Anna Amalia Bibliothek in Weimar.