UNESCO-Weltkulturerbe „Klassisches Weimar“

Philip Manow

Donnerstag, 17. September 2026 19:00 Uhr Weißer Saal Eintritt 12 €

Ettersburger Gespräch Spaltungslinien

Philip Manow

im Gespräch mit Peter Krause über "Europas Parteiensysteme und die Dekonsolidierung des Nationalstaats"

Philip Manow war im März 2025 mit seinem Buch "Unter Beobachtung. Die Bestimmung der liberalen Demokratie und ihrer Freunde" Gast im ETTERSBURGER GESPRÄCH. Philip Manow, geb. 1963, ist seit 2024 Professor für Internationale Politische Ökonomie an der Universität Siegen. Zuvor war er Professor für Vergleichende Politische Ökonomie an der Universität Bremen; seit 2018 ist er Mitglied der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften. Seine Bücher "Die Politische Ökonomie des Populismus" (2018) und "(Ent-)Demokratisierung der Demokratie" (2020) sind als wichtige Beiträge zur Demokratie-Forschung breit und kontrovers rezipiert worden.

Entlang welcher Linien sortieren sich die politischen Konflikte unserer Zeit? Unsere hergebrachten Ordnungsbegriffe scheinen mittlerweile keine sichere Orientierung mehr zu bieten. Denn heute steht häufig ein linkes Bürgertum gegen eine rechte Arbeiterschaft – und "progressiver Neoliberalismus" und kulturell rechte, aber zunehmend verteilungspolitisch linke populistische Parteien markieren die Pole einer neuen Hauptachse des politischen Konflikts. In seinem neuen Buch "Spaltungslinien" (C.H.Beck) und im ETTERSBURGER GESPRÄCH am 17. September interpretiert und diskutiert Philip Manow diese neue Lage als Resultat der Transformation europäischer Parteiensysteme. Diese Transformation selbst, so seine zentrale These, sei eine Reaktion auf die Infragestellung des Nationalstaats als jener Ebene, auf die hin sich bislang gesellschaftliche Interessen organisiert hatten. Wenn diese Diagnose zutrifft, ist die Krise der Gegenwart nicht mit dem Aufkommen einer neuen, kulturellen Spaltungslinie zu erklären – etwa als Gegnerschaft von Kosmopoliten und Kommunitaristen, von "Anywheres" und "Somewheres". Sie führt vielmehr zur Erosion bisheriger Formen politischer Interessenvermittlung, so dass unser gewohnter Fokus auf Parteien und ihre relative Stärke uns über die politische Entwicklung gar nicht mehr hinreichend aufzuklären vermag. Sie führt weiterhin zur Ausbildung einer neuen Hauptkonfliktachse zwischen gesellschafts- und verteilungspolitischem Liberalismus einerseits und gesellschafts- und verteilungspolitischem Illiberalismus andererseits.

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Philip Manow. Bild: Guido Werner. + 1 Bild
Philip Manow. Bild: Guido Werner.

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