Jörg Baberowski
Do, 26.02.2026
Ettersburger Gespräch Am Volk vorbei. Zur Krise der liberalen Demokratie
Jörg Baberowski
im Gespräch mit Peter Krause
Wir leben in einer Demokratie, deren Sachwalter den Souverän entmachten wollen. Dennoch lautet die für manche beunruhigende Wahrheit: Die Zeit der Deutungsmonopole ist ebenso vorbei wie die eingehegte Demokratie. Menschen haben eine Wahl.
Alle reden von der Demokratie und ihrer Krise. Aber was meinen wir eigentlich, wenn wir von der Demokratie sprechen? Offenbar gibt es keinen Konsens in der Frage, was sie eigentlich sei und wie sie beschaffen sein müsse, um die Erwartungen derjenigen zu erfüllen, die ihren Verfall beklagen. Jörg Baberowski erzählt in seinem neuesten Buch (C.H. Beck) eine andere Geschichte der Demokratie. Eine, die hinter die Kulissen blickt und Illusionen offenlegt. Dazu gehört die Erkenntnis, dass alle Beziehungen zwischen Menschen von Macht durchzogen sind, auch in der Demokratie. Und die Tatsache, dass das Volk zwar der Souverän sein soll, sich aber nicht selbst regieren kann, also repräsentiert werden muss. Überall müssen diejenigen, die sich auf das Volk berufen, dem kritischen Blick derer standhalten, die sie zu vertreten vorgeben. Im Modell der Repräsentation ist der Populismus daher als Möglichkeit immer schon enthalten. Anstatt den Widerspruch von unten als unanständige Regung des "Pöpels" zu sehen, sollte man sich an die größte Stärke der Demokratie erinnern: dass sie es erlaubt, auch im Streit mit anderen im Einklang zu sein.
Prof. Dr. Jörg Baberowski lehrt Geschichte Osteuropas an der Humboldt-Universität zu Berlin. Er hat sich spezialisiert auf die Geschichte Ruzsslands, der Sowjetunion und des stalinistischen Terrors.
+ 1 Bild
Aktuelles aus dem Kulturkalender
-
Do, 16.04.2026
Konzert . Thüringer Bachwochen Bachs Fürst
Hamburger Ratsmusik, Simone Eckert, Peter Bieringer
-
Di, 21.04.2026
Ettersburger Gespräch Was auf dem Spiel steht
Mario Voigt und Holger Friedrich
-
Mi, 29.04.2026
Ettersburger Gespräch Ausradiert? Wie die Literatur der DDR verschwand
Carsten Gansel